Drei Wochen El Hierro haben wir gebucht. Zu viel? Ferien auf einer Insel ist so eine Sache und die Gefahr eines Inselkollers ist nie von der Hand zu weisen. Vermutlich jedoch nicht für uns. Seit 10 Jahren besuchen wir fast jährlich die Insel und wissen ziemlich genau, was uns dort erwartet. Naja, mit der Fiesta del Carmen haben wir gerechnet: 1 Woche Hafenfest - das ist schon recht lange. Aber - es hat sich gelohnt, all die feinen kulinarischen und kulturellen Anlässe. Zum Teil auf Fragwürdige. Natürlich gab es auch ein standesgemässes Feuerwerk, wie es sich so gehört in Spanien.
Doch was wollen wir hier von Fiesta berichten, wenn das Thema Tauchen doch so faszinierend ist. Also: Wir schwärmen bei jedem Besuch in der Basis Fan Diving von unserer ersten Manta-Sichtung mit gleich zwei Mantas. Seither haben wir aber nie mehr welche zu Gesicht bekommen. Aber man erzählte uns, dass diese jährlich ein paar Besuche abstattet aber halt nie zu dem Zeitpunkt, wenn wir dort in den Ferien sind.
Vielleicht ist es dieses mal anders? Also rein ins Wasser zu unserem ersten Tauchgang in diesem Urlaub. Playa Herradura heisst dieser Tauchplatz und ist sehr speziell. Es ist wohl jener, den wir in El Hierro am meisten betaucht haben. Daniela meinte noch, "hoffentlich nicht den Herradura beim ersten Tauchgang". Tja, und schon machten wir das Boot an der Boje des Herraduras fest. Günter erzählte noch seinen Tauchgästen, wie er Michi damals von der Felsnadel am Baja Ribera losreisen musste, nur das er ihm endlich die Mantas zeigen konnte und sich dabei unter Wasser fast die halbe Lunge hinaus schrie. "Aber nichts hören die und kleben da an ihren Gespensterkrabben und Drachköüpfen rum und verpassen dabei die Mantas". Das werden wir uns wohl jedes Jahr anhören müssen.
Es hatte leichte Strömung und wir machten ein paar Foto's und liessen uns ein wenig treiben. An der Riffkante entlang tauchten wir zuerst mit der Strömung, bis wir über den Strömungsschatten des Riffs wieder zurück zum Ankerplatz flösseln konnten. Dort untersuchten wir die tausenden Ritzen und Löcher welche das Riff durchpflügen. Kurz vor dem Ankerplatz machte Michi das, was er immer tud, wenn er an Günters Worte denkt. Blick nach oben und... - unglaublich, da kommt tatsächlich ein MANTA angeschwommen. Ein grosser Manta liess sich von der Stömung in etwa unserer Richtung treiben. Günter war der nächste Taucher in seiner Nähe. Michi schrie so laut er konnte. Günter horchte kurz auf und widmete sich dann aber wieder einer Ritze in der sich irgendetwas fotogenes versteckt hatte. Also folgten von Michi zwei kräftige Flossenschläge in Richtung Günter und er schrie nochmals um sich bei ihm bemerkbar zu machen. Günter merkte, dass etwas los war schaute nach, wer da gerufen haben könnte. Er erblickte Michi, der ihm wild gestikulierte: Schau, dort ist ein Manta. Günter bestätigte, und alarmierte sofort alle anderen Taucher. Alle konnten noch rechtzeitig den Manta beobachten, der aber nur eine Kurzvisite am Riff unternahm.
Zurück an Bord war klar. Michi und Günter waren quitt, was das alarmieren von Mantas anbelangt. Was sie aber nicht daran hintert, die Geschichten trotzdem immer wieder zu erzählen. Fertig? Mit nichten, unser Urlaub hat ja gerade erst angefangen. In der zweiten Woche mussten wir nach unserer Tauchpause erfahren, dass unsere Kollegen einen Manta unter Wasser angetroffen hatten. Schade. Aber die Insel hat uns über Wasser mit einigen wunderschönen, geheimnisvollen Plätzen auch entschädigt.
Und da kam er: Der letzte Tauchtag, der zweitletzte Tauchgang unseres Urlaubs. Viel haben wir bis dahin auf unseren Tauchexpeditionen gesehen und entdeckt. Was kann dieser letzte Tag noch Toppen? Ausser einen Manta vielleicht... Da einige in der Gruppe es zur Strategie erklärt haben, uns fortweg die Fotomotive zu verscheuchen, hat uns der Guide erlaubt, mit etwas Abstand eine eigene Tour zu tauchen. El Desierto ist ein super schöner Tauchplatz. Sehr spannend sind dort die berühmten Röhrenaalfelder. Die Gruppe vor uns war bereits schon auf dem Rückweg, als wir etwas versetzt zu ihnen an der Riffkante ankamen. Ein grosser Mero kam zu uns und spielte ein wenig das Fotomotiv vor unserer Kamera. Daniela fing während einer Filmaufnahme neben Michi plötzlich wie wild zu gestikulieren. Michi dachte sich noch, was das soll. Denn am Desierto ist dieser Mero das grosse Highlight eines Tauchgang. Ausser man Blickt nach oben zur Wasseroberfläche wo vielleicht... - ein MANTA! Kaum zu glauben. Wieder zog er majestätisch an uns vorbei. Wir genossen den Augenblick, ganz alleine mit dem Manta zu sein. Als wir merkten, dass der Manta nicht nur vorbei schwamm sondern ein paar Runden zu drehen begann, alarmierten wir die übrigen Taucher der Gruppe. Etwa ganze 10 Minuten tauchten wir noch mit dem Manta, bevor dieser wieder ins Blauwasser verschwand. Welch ein wunderbares Erlebnis!
Am Nachmittag verkündete uns Günter: "Wir tauchen am El Bajon". El Bajon kann sehr hart zum Tauchen sein. Und das bei unserem letzten Tauchgang? Wir rafften uns auf und dachten: "naja, wir wurden ja heute schon mit dem Manta belohnt. Dann können wir ja zum Abgewöhnen auch zum Bajon gehen" Am Bajon tauchten wir ab und stellten fest, das ausnahmsweise fast keine Strömung vorhanden war. Das heisst normalerweise, dass der Tauchgang gemütlich, aber mit wenig Fisch sein wird.
Wir tauchten über das Riffdach und erspähten rasch eine grosse Schule Pilotbarsche (Bermuda Blaufisch). Dann kam ein Schwarm Barrakudas und formierten sich unmittelbar neben uns zu einem Kreis. Unglaublich - solche Bilder haben wir bisher nur im Fernsehen gesehen. Die Barrakudas schwammen weiter und dann - es wurde Dunkel - eine grosse schwarze Wand tauchte über dem Riffdach des El Bajon auf. Eine gigantische Schule Pilotbarsche kam zu Besuch und wir waren mitten drin. Unglaublich - überall wo man hinblickte, nichts als Fisch. Und darunter waren sehr viele Prachtexemplare. Zwischendurch waren Feilfische, Drückerfische und Barrakudas versteckt. Und die Tiere hatten keine Scheu vor uns. So konnten wir in Mitten der Fischsuppe einzelne Exemplare von ganz nah bewundern. Es war das Finimeter, das dem Schauspiel ein Ende setzte: 50 Bar - von der Reserve wollen wir nicht gross Gebrauch machen und begaben uns zum Safetystop. Über eine Stunde hatten wir unter Wasser eine Endorphinausschüttung. Welch ein Erlebnis.
Das war bisher der spektakulärste Abschluss-Tauchtag, den wir je erleben durften.
Hier folgen noch zwei Filme als Beweis :-)
Zuletzt aktualisiert am Montag, 20. April 2009 um 20:08 Uhr