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El Hierro im Januar? Warum nicht? Die Wassertemperatur ist zu dieser Jahreszeit für süsswassergeeichte, Winter-Taucher mit 18 Grad immer noch angenehm warm. Also Koffer packen und los. Schon bei der Überfahrt von Teneriffa nach El Hierro wurde uns klar: Der Wellengang ist ganz anders als im Juni. Auch nicht so wie August. Und schon gar nicht wie im September. Der Wellengang war... sagen wir mal einfach "gross". Doch der Kapitän unseres Trimaran kämpfte sich geschickt durch die Wellenberge und Täler und wir kamen wohlbehalten in Porte Estaca an. Der starke Wind konnte uns ja egal sein, da in der Bucht von "La Calmas" sicher ruhig sein wird und wir tauchen können - dachten wir uns.
Tauchen schon - aber man muss ja mit dem Boot erst einmal dort hinkommen. Schnell lernten wir, wie man sich auch bei etwas raueren See auf einem Hartschalenschlauchboot sicher hinsetzt und mit dem Getöse und Wellenschlag mitkämpft. Der Tauchgang war super und ab 15m Tiefe spürte man die Brandungswellen kaum noch - doch die Rückfahrt gegen den Wind stand uns bevor.
Innerhalb der Bucht war der Wellengang so stark wie sonst ausserhalb dieser. Wir waren zu dritt auf den Boot und kämpften uns voran. 500m vor der Hafeneinfahrt wurde es dann ganz heftig. Zwischen Wellenberg und Wellental waren bis 5m Differenz. Michi drückte das Boot am Bug immer wieder nach unten während Günter am Steuer und Gashebel geschickt die Balance hielt. Meter um Meter kamen wir dem Ziel näher und waren dann schliesslich froh, sicher im Hafen gelandet zu sein. Günter, unser Guide, meinte dann auch, dass er bei diesem starken Wind und Wellengang nicht mehr hinausfahren wird. Und der Wind wird in den kommenden Tagen so anhalten. Also ist Tauchpause angesagt. Gut für uns, dann konnten wir unsere geplante Inseltour vorziehen. Schlecht für die Teneriffa-Boys.
Teneriffa-Boys? Wir gaben den Jungs (es waren äusserlich eigendlich nur gestandene Männer) den Namen, die einen mehrtägigen Tauchausflug nach El Hierro unternahmen und sonst eigentlich nur auf Teneriffa tauchten. Bei ihrer Ankunft machten sie ihren Unmut lautstark kund: "Die paar Wellen, die hauen uns doch nicht um - wir wollen tauchen". Günter war bemüht, ihnen diplomatisch klar zu machen, dass es reiner Selbstmord wäre, da raus zu fahren. Mürrisch zogen sie von dannen direkt in die Kneipe und widmeten sich dem Billiardspiel und ein paar Gläser Gerstensaft. Erst als sie auch von den anderen Basen-Betreibern ein No-Go erhalten haben, akzeptierten sie die Situation.
Wir wurden von ihnen kaum beachtet, obwohl sie wussten, dass wir schon länger bei Günter tauchten und dadurch über das Eine oder Andere hätten Auskunft geben können. Das Desinteresse konnte uns dann aber auch irgendwo egal sein. Wir hatten unseren Spass und bewunderten die Insel auf unserer Tour.
Nach drei Tagen liess der Wind nach. Wir durften wir zum Tauchen. Auch die Teneriffa-Boys waren mit dabei. Sie sahen aus wie gestandene Kampf-Taucher. Schwarz wo man nur hinschaut und Messer am Bein. Nur der ***-Anwärter durfte noch seinen Schnorchel ans Bein packen.
Der Wind war noch da, aber nicht mehr so stark. Aus den 5-Meter Brechern, wurden kleinere, aber mit über einem Meter hohen Kamm immer noch ordentliche Wellen. Wir beide waren zu forderst auf am Bug des Schlauboots positioniert und genossen den Ritt über die Wellen. Beim Hafenausfahrt hörten wir noch das Geprahle hinter uns "na, wie tief gehen wir heute? fufzisch oder sechzisch Meta? - Hehe" - "nenee - hab nur eine Buddl mit Pressluft dabei - da gehts leider nur bis auf achtzisch runter - haha". "Ohje, das kann ja heiter werden", dachten wir uns und waren froh, als der Motorenlärm das Geprahle dämpfte. Doch nach der Hafenausfahrt wurde es still - sehr still. Erstaunt sahen wir nach Hinten und sahen, wie die Teneriffa-Boys nicht mehr (wie befohlen) sicher auf dem Schlauch des Boots sassen, sondern innerhalb des Bootes auf den Boden kauerten uns sich überall festhielten wo sie nur können. Natürlich wurden sie jetzt erst recht durchgeschüttelt. Seekrank? fragten wir uns. Am Tauchplatz angekommen erhielten wir auch die Antwort: "Solche grosse Wellen haben wir noch nie erlebt." war die Begründung aus den nicht mehr ganz so farbigen Gesichtern. Wir nickten nur, und hatten irgendwo eine gewisse Genugtuung.
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