Die Nachricht kam nicht unerwartet - und trotzdem hat es mich gepackt. Letzten Herbst habe ich noch die letzten Lebenszeichen von Bruno Stanek vernommen, seither wurde es still. Heute die
Nachricht, dass er einen Tag zuvor von uns gegangen ist.
Für die Mondlandungen war ich mit Jahrgang 1971 noch zu jung. Doch als kleiner Junge habe ich noch "Neues aus dem Weltraum" mit Bruno Stanek mitbekommen. Und so richtig bewusst mit dem Start von
STS-1 Space Shuttle Columbia. Keiner konnte es so gut formulieren wie er. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.
Kurz nachdem ich die Lizenzprüfung zum Amateurfunk bestanden hatte, entdeckte ich 1996 ein Lebenszeichen von Bruno Stanek: In der Schweizer Illustrierte war ein Bericht über die verschollenen Aufzeichnungen des Schweizer Fernsehens über die erste Mondlanung publiziert. Offenbar seien sie wegen Sparprogramms gelöscht worden. Insider berichten jedoch, dass diese im SRF "Giftschrank" archiviert seien.
Damals in den 90er Jahren bestand noch die Chance, dass es noch irgendwo Aufzeichnungen geben könnte. Als Branchenkundiger aus dem Unterhaltungselektronikbereich nahm ich mit Bruno Stanek Kontakt auf. Es war das erste von unzähligen Mails.
Durch Bruno Stanek lernte ich mich gegenüber Wissenschaft zu öffnen. In den Diskussionen stellte er mir immer wieder geschickt kluge Fragen, die mich zum Nachdneken anspornte. Als Mathematiker hatte er die Gabe, Dinge nüchtern zu betrachten und die Fakten zu benennen. Etwas, was ich bis dahin nicht konnte.
Um die Jahrtausendwende hat Bruno Stanek damit begonnen, seine berühmten Lexika für Raumfahr tund Astronomie zu digitalisieren. Ich war überrascht, dass er das Stichwort AMSAT und
Amateurunksatelliten darin behandelte. Auch wenn es nur oberflächlich war - die Erwähnung war eine grosse Wertschätzung gegenüber den Funkamateuren.
Bruno Stanek forderte mich. Er gab mir die Möglichkeit, das Stichwort Amateurfunksatellite und AMSAT in seinem digitalen Raumfahrtlexikon zu bearbeiten. Ich kann mich noch gut erinnern, wie
er auf meinen ersten Entwurf reagierte. Seine Qualitätsansprüche gingen deutlich über mein damaliges Niveau eines Schüleraufsatz hinaus. Ich lernte zu strukturieren und Informationen mit Quellen
zu belegen. Für mich war das damals eine Herausforderung.
Bruno Stanek forderte und förderte mein Intellekt Ich entwickelte mich nicht nur privat weiter, sondern auch beruflich.
Die Mailkontakte blieben über viele Jahre konstant hoch. Leider habe ich diese Informationen nie archiviert. Mit den heutigen KI-Technologien wäre es sehr spannend, die Essenzen unserer Korrespondenz heraus zu lesen.
"SWL" aber kein Funkamateur
Obwohl Bruno Stanek grosse Symathien für den Amateurfunk hatte: Eine Lizenzprüfung hatte er nie abgelegt. Er erzählte mir oft davon, wie er die
ersten Informationen von "Voice of America" erhielt. Im Studio hatte er in einem Ohr die Regie, auf dem anderen Ohr Voice of America. Auf diese Weise moderierte er spannende Sendungen mit Bezug
zur Raumfahrt.
Durch unsere Kontakte besuchte Bruno Stanek auch Anlässe der Funkamateure. Er wohnte an ARISS-Kontakten in Richterwil bei und hielt dort auch einen Kurzvortrag. Am USKA Hamfest in Luzern 2011 war er als Ehrengast geladen und schlug in seinem Vortrag eine Brücke zwischen Amateurfunk und Raumfahrt.
So lange ich kann, werde ich Vorträge halten
Seine Vorträge waren immer gut besucht. Humorvoll konnte er einen ganzen Abend die "Raumfahrtfans" ins seinen Bann ziehen. Die Goldauer Herbstvorträge waren über viele Jahre ein Fix-Termin in meinem Kalender. Und Bruno versprach, dass er die Vorträge sol lange durchführen werde, wie es seine Gesundheit zulässt.
Vor gut 10 Jahren hat ihn einen Schlaganfall aus der Bahn geworfen. Unterkriegen liess er sich nicht und machte weiter. Kurz nach meinem Geburtstag letzten Herbst dann die Meldung auf seiner Webseite:

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