Mein Beitrag zu Halloween: Rumchruetzer 71

Zu Halloween soll ich ein passendes, gruseliges Thema schreiben, haben mir erfahrene Blogger geraten. Hmm...

 

Also, wie wäre es damit: "CQ 11 Meter, auch ich bin ein CB-Funker."

Für viele Funkamateure scheint das so ein richtig gruseliges Thema zu sein: CB-Funk. Kaum ausgesprochen, erntet man argwöhnische,seitliche Blicke. Man ist gut beraten, sich in einer solchen Situation nicht als Betreiber dieser Disziplin zu outen. Nach meiner Lizenzprüfung ist mir dieser Fauxpas ein paar mal passiert und musste dabei erleben, wie das Vis-a-vis auf einmal aufstand und sich einen freien Platz am Nebentisch suchte. Lustig waren aber jene, welche krampfhaft ihre CB-Vergangenheit negierten. Ich habe mir dann den Spass erlaubt, beim nächsten Treffen seine eigene QSL-Karte aus seiner vergangenen CB-Zeiten mitzubringen - ok - das kam nicht immer gut an. Naja, inzwischen sind 25 Jahre vergangen und eine bedeutende Mehrheit der Funkamateure blickt auf eine vermeintliche dunkle CB-Vergangenheit zurück.

 

Habt ihr gemerkt? Ich habe "Funkamateure" geschrieben und nicht "Amateurfunker". Denn das ist für mich persönlich das eigentliche gruselige Thema. Ich bin Funkamateur und kein Amateurfunker.  Und ich sehe mich auch nicht als Hobbyfunker. Wenn ich am Amateurfunkdienst teilnehme, dann bin ich ein Funkamateur. Wenn ich auf 11 Meter aktiv bin, dann bin ich ein CB-Funker.  Für mich sind das zwei absolut unterschiedliche Kulturen und Welten. Und ich achte sehr darauf, dass ich diese nicht vermische. Auch wenn ich übers Jahr gesehen 99,9% Amateurfunk betreibe und nur 0,1% CB-Funk (mit richtigen CB-Funk Geräten versteht sich..). Die Trennung ist mir sehr wichtig, da beide Kulturen komplett von unterschiedlicher Natur sind und auch ihre Berechtigung haben. Eine Durchmischung sehe ich kritisch, da grossartige Werte der jeweiligen Kultur dabei verwässert werden. 

 

Ooh, ich sehe schon die Gesichter vor mir: "CB-Funk und Kultur? Geht's  noch?!" so die Einen. Und von der anderen Partei wird gleich verballhornisiert: "Amateurfunk ist Hobbyfunk, genau wie CB-Funk - Punkt!" Hoho - gruseliger Diskussionsstoff mit viel Emotionen. Halloween halt - genau was ich wollte :-)

Jaja, die Geister die ich rief - jetzt hänge ich in der Twilight Zone meines Blogs zwischen den Welten von Amateur- und CB-Funk fest, und muss jetzt irgendwie die Kurve in die reale Welt erwischen. 

 

Vielleicht hilft es, wenn ich mich auf den eigentlichen Kern konzentriere: Mein HF-Virus!

Eigentlich ist es gar nicht so schwer: Das eine tun, das andere nicht lassen. Aber bitte nur nicht vermischen. Sich ständig in der Twilight Zone zu bewegen tut dem Hobby nicht gut. Daher erspare ich Euch  in meinem Blog selbst an Halloween eine Auseinandersetzung zu den zwei Welten.  

 

Fasziniert war ich von der drahtlosen Technik schon als kleines Kind. Ob an Grossmutters Dampfradio Eumigtte (mit dem magischen Auge) oder den "kleinen" Transistorradio Telefunken Bajazzo Sport 101L meines Vaters. Gespannt lauschte ich den Stimmen welche aus dem Rauschen heraus stachen. Und wenn es nur die Pegelstände des Rheins waren, welcher der deutsche Wetterdienst auf Kurzwelle bekannt gab.

Der Bajazzo Sport 101L war auch mein erstes Radio-Opfer, dass ich mit Schraubenzieher und meinem ersten Lötkolben zerlegt hatte - ja im wahrsten Sinne des Wortes zerlegt! Ich wollte den "aufmotzen" ohne zu wissen was ich tat. Schon gar nicht, wie man das Gehäuse fachmännisch öffnet. Zum Schluss war es ein Haufen Elektro-Schrott, welcher durch den Lötkolben verheizt oder durch den Seitenschneider verzwackt wurde. Auch ein gruseliges Thema. Ja, mein Vater sah das damals mit Entsetzen auch so, als er Abends nach Hause kam und mein Tageswerk vorfand...

 

Mein Grossvater erkannte meine Faszination an den drahtlosen Nachrichtentechnik. Zu Weihnachten Anfang der 80er Jahre bekam ich ein CB-Handfunkgerät geschenkt. Ein Stabo Sigma. 4 Kanäle (4, 7, 10 und 14) In AM moduliert und 100mW Sendeleistung. Mein Stolz für viele Jahre. 

Mein erstes Rufzeichen lautete "Delta-4". Ich war zu jener Zeit fasziniert von der Europa Hörspielserie mit Commander Perkins. Ich besass nur die Folge 5 als Cassette die lautete "Saturn ruft Delta 4".

Da ich nur mit den Nachbarskindern mit den Funkgeräten durchs Quartier zog, wusste ich anfangs nicht, dass meine Funkaktivitäten eigentlich illegal waren. Das Gerät war in der Schweiz anmelde und gebührenpflichtig. (eigentlich war es illegal, da es ohne PTT-Prüfnummer aus Deutschland von meinem Grossvater importiert wurde). Ein älterer, erfahrener CB-Funker hat mich mal bei einem Treffen unter strengem Blick darauf hingewiesen, dass meine Aktivitäten verboten sind. Er hat mir aber auch gleich den Weg in die Legalität gezeigt.

Also habe ich auf sein Anraten die Anmeldeunterlagen bestellt und ausgefüllt. 

 

Auf dem Anmeldeformular der PTT Kreisdirektion Luzern musste ich 5 Wunschrufzeichen angeben. Delta-4  war an erster Stelle. An die drei weiteren kann ich mich nicht mehr erinnern. Hatten aber bestimmt einen Bezug zur Raumfahrt. Mit dem letzten Rufzeichen haderte ich. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich lange - sehr lange eines gesucht hatte. Irgendwann verlor ich die Geduld. Ich hab dann den nächste Geistesblitz geschnappt. Wenigstens war dann die Liste komplett.  Also kritzelte ich als Option Nr. 5 das Rufzeichen "Rumchruetzer" hin. (Raumkreuzer). Ab zur Post und meine Ungeduld wurde noch Grösser.

 

Nach ein paar Wochen erhielt ich die Funkkonzession zugestellt. Gespannt öffnete ich den Umschlag mit der Hoffnung auf die Zuteilung des Rufzeichens Delta-4. Uiii, da war ich doch etwas schockiert: Rumchruetzer-71. (71 für die PTT Kreisdirektion Luzern) Gruselig, nicht war?

Denn das Rufzeichen hat einen latenten Rechtschreibfehler. Und weil Rumchruetzer-71 sogar auf Schwyzerdütsch auf Anhieb schwer verständlich ist, musste ich garantiert bei jedem ersten QSO, mit einer neuen Station, das ganze Rufzeichen durchbuchstabieren.

Passend zu Halloween sagt man dem übrigens auch "Lernen durch Schmerz": 1. schreibe ich seither Kreuz nie mehr mit "tz" und zweitens habe ich auf diese Weise sehr schnell das Nato Alphabet in Perfektion anwenden gelernt.

Obwohl ich mehrmals darüber nachgedacht habe, liess ich das Rufzeichen nie mehr ändern. Irgendwie passte es dann doch zu mir. 

Achja, während Delta-4 ,wie beschrieben von einem Hörspiel stammte, war Rumchruetzer-71 eine Hommage an mein Lieblings Lego Raumschiff. Als stolzer Besitzer einer Konzession, kaufte ich später beim Radiohändler von meinem Taschengeld die Quarze mit dem Frequenzpaar für den Kanal 9. Dieser galt damals in der Schweiz als Anruf- und Notrufkanal. Aufmotzen musste ich dann schlussendlich auch dieses Gerät. Das Handfunkgerät hat von mir einen externen Antennenanschluss und eine DC-Buchse erhalten. Den Lötkolben hatte ich schon etwas besser im Griff. Trotzdem wurde das Stabo Sigma später leider Opfer meiner Experimentierfreude und Wissensdurst.

 

Es waren die CB-Funker, die mich zum Amateurfunk motivierten. Genauer gesagt Husky-73/HB9PLW. Er erzählte mir von Satelliten, welche die Funkamateure selber bauen und betreiben. Husky-73 war wie ich Mitglied im Hobbyfunk Club Schlössli, Reiden. Dem heutigen Funkclub Schlüssli HB9RE, bei welchem wir beide heute immer noch Mitglied sind. Im Coop Bildungszentrum Luzern meldete ich mich zum Amateurfunkkurs bei Armin Wyss, HB9BOX, und Carlo Läuchli, HB9JBB, an. Meine YL habe ich gleich mit auf die Anmeldeliste gesetzt. 

Am 8. Dezember 1995 war es so weit und wir bestanden die Lizenzprüfung des BAKOM. Meine YL hatte schon im Kurs gezeigt, dass sie mit Formeln spielend leicht umgehen kann und hat logischerweise auch vor mir (und vor allen anderen Kursteilnehmern) die Prüfung bestanden. Sie ist auch heute noch im Besitz ihres Rufzeichens: HB9WDE. Ich bin sehr stolz auf sie, dass sie das mit mir dieses Abenteuer durchgemacht hat und auch heute noch mein Hobby unterstützt. Aktiv auf der QRG ist sie (leider) nicht. Aber das ist eine andere Story.

 

Husky-73/HB9PLW hat mir nach der Prüfung einen Bärendienst bei der Beschaffung  meines ersten Transceivers FT-736 erwiesen. Er hat mir auf diese Weise das Abenteuer Amateurfunkdienst über Satellit schon sehr früh ermöglicht - danke Peter!

 

Dem Funkclub Schlössli bin ich sehr dankbar. Immer wieder werde ich dort als Referent für Vorträge eingeladen. Gerne lauschen die Mitglieder über das Thema Amateurfunk über Satellit zu. Bei meinen Vorträgen habe ich immer ein Sparschwein mit dabei und lasse es Plenum umherreichen. Die dort gesammelten Spenden gehen dann immer an ein Projekt einer der AMSAT oder ARISS Organisationen. Vom Funkclub Schlössli habe ich bisher die höchsten Spenden erhalten. (Ja liebe Ur-Funkamateure, da dürft ihr Euch gerne eine Scheibe davon abschneiden) Weit über CHF 100 konnte ich an einem einzelnen Abend sammeln. Diese habe ich dem FOX-Projekt der AMSAT-NA gespendet. In einem Bericht in der Clubzeitschrift von HB9RE nannte ich dann Fox-1A/AO-85 liebevoll den "Schlössli-Sat". 

  

Das ist nun ganz und gar nicht mehr gruselig. Somit hat auch der Halloween-Spuk in diesem Blog nun ein gutes Ende...

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Kommentare: 3
  • #1

    Sangria 73 Dani (Freitag, 30 Oktober 2020 11:19)

    Danke Michi - ein super Bericht!
    Eine spannende Geschichte, aus der anfänglich vermeinten Gruselgeschichte ist eine tolle Story geworden.
    Gratuliere Dir - und danke für die Blumen an unseren Club:-)
    73 & 55 - Hobbyfunker.
    Sangria 73 / HB3YDB Dani

  • #2

    Sangria 73/2Nelly (Freitag, 30 Oktober 2020 12:02)

    Hoi Michi
    Ich habe deinen Bericht auch gelesen. Spannend und faszinierend wie du den Werdegang geschrieben hast.
    Es freut mich immer wieder wie du uns die Sterne vom Weltall die Mir und den Kontakt zur ISS uns erklärst und redest mit ihnen . Wahnsinn.
    Danke vöumou

  • #3

    Michi, HB9WDF/Rumchruetzer-71 (Donnerstag, 05 November 2020 11:11)

    Hallo Nelly
    Hallo Dani
    Danke für Eure lieben Kommentare zu meinem Blog. Ja, es war schon meine Absicht, die Leser auf eine vermeintlich falsche Fährte zu locken :-)
    Ich freue mich, dass Euch die Geschichte gefallen hat!
    73s Michi