PJ2/HB9WDF zum Dritten

Nach 2016 und 2018 zog es uns auch diesen Winter/Frühling wieder in die karibischen Gewässer. Im Gegensatz zu den vergangenen Expeditionen nahm ich dieses Mal nur mein LEO-SAT Equipment mit auf die Reise.

 

Nach langer Abstinenz vom Tauchen war klar, dass ich mich in diesen Ferien mehr mit der Unterwasserfotografie beschäftigen werde, als mit Amateurfunk. Wir haben uns für 14 Tage im Don Genaro Apartement eingemietet. In einem Palapino - ein Appartement, dass Palmenblätter als Bedachung nutzt. (Ja, wir hatten Regen, und nein, wir wurden nicht nass)

Bei der Ankunft musste ich jedoch rasch feststellen, dass es mit Satellitenbetrieb von diesem Standort nichts  werden wird. Zu hoch waren die Hügel rund um das QTH.

 

So konzentrierten wir uns erst einmal auf die Unterwasserwelt. 23 Tauchgänge haben wir geloggt, und verbrachten insgesamt über 25h unter Wasser.

Suche nach der DX Location

Wenn man DX über Satelliten arbeiten möchte, ist eine freie Sicht bis zum Horizont massgebend. Das ist auf Curacao nicht ganz einfach. Entweder sind die Hügel in Privatbesitz oder sie sind so stark bewachsen, dass man ohne Machete gar nicht hoch wandern kann.

Ein weitere Herausforderung war, die Satellitenüberflüge mit unseren Tauchgängen zu koordinieren. Zu den Tauchausfahrten konnte ich meine Funkstation nicht mitnehmen. Somit blieben mir nur noch die wenige Stunden bis zum Sonnenuntergang nach dem letzten Tauchgang. Das schränkte der Aktivierungsradius rund um das Don Genaro stark ein.

Zwei Locations konnte ich dann doch finden, welche innert 10 Minuten von unserem Appartment aus erreicht werden konnten.

Die erste lag in der Nähe der Clubstation PJ2T (südlich der Gemeinde Soto) und der andere Ort bei einem Sendemasten östlich von Soto. Letzterer Ort war meine erste Wahl für die Aktivierungsversuche. 

Nach dem letzten Tauchgang fuhren wir nach Hause. Nachdem ich Tauchausrüstung und Kamera von Sand und Salzwasser befreit habe, packte ich meine Station ein und fuhr zum Hügel mit dem Sendemasten. Daniela genoss derweil meine Hängematte (ich hatte die Hängematte zuerst entdeckt, also gehörte sie mir... :-)

Auch dieses Jahr war Murphy mit im Gepäck

Mein Equipment hatte ich so eingepackt, wie ich es nach unseren letzten Ferien in den USA ausgepackt hatte. Die kurzen Funktionstests zu Hause gaben keinen Anlass für Sorge.

Doch bei meinem ersten Aktivierungsversuch über RS-44 musste ich feststellen, dass ich nur sehr leise Signale hören konnte. Einen Test über einen lokalen Repeater war jedoch erfolgreich. Wie sich dann herausstellte, war eines der beiden Koaxkabel der Verursacher. Was es genau war, konnte ich noch nicht heraus finden.

Irgendwie hatte ich einen solchen Fehler geahnt. Schnell packte ich das Ersatzkabel aus und machte die Station für den zweiten Überflug von RS-44 bereit. Dieses Mal klappte es und ich durfte mich über ein erstaunlich grosses Pile-Up freuen.

Rudel von Wildhunden erschwerten die Bedingungen

Leider gibt es derzeit auf Curaçao viele Wildhunde. So habe ich meine Aktivitäten nur bei Tageslicht durchgeführt. Bei meinem zweiten Spot in der Nähe von PJ2T musste ich dann tatsächlich meine Operation abbrechen, da ein kleines Rudel auf der Suche nach Nahrung mir näherte. Sie waren nicht aggresiv, doch es waren vier Jungtiere darunter, die natürlich keine Scham hatten, mich auszukundschaften. Das war mir zu viel und so verschob ich meinen Standort. Leider blieb mir nicht mehr genügend Zeit um auf den Hügel mit dem Sendemasten zu fahren. So hatte ich in einer Bucht, wo die Strasse nach Soto vorbei führt, einen Kommpromiss finden können.

Überraschender Besuch

Kaum war ich über RS-44 aktiv, hielt ein Auto neben mir an. Ein Paar stieg aus dem Auto und begrüssten mich mit "We are HAM's"! Sie haben mich mein Pile-Up natürlich weiter arbeiten lassen und schauten geduldig zu.

Als ich das letzte QSO geloggt habe widmete ich mich umgehend meinem Überraschungsbesuch. Es waren Robin, WA7CPA und KC7EFP, James. Beide gehörten zum Team, welches an diesem Wochenende am WPX Contest bei PJ2T teil nahm. Wie sich heraus stellte, war James am ASUSat-1 (OSCAR-37) beteiligt. Kurze Zeit später fuhr ein zweites Auto mit dem restlichen Team von PJ2T vorbei. Sie luden mich ein, am kommenden Tag die Station zu besuchen.

HB9WDF, KC7EFP und WA7CPA
HB9WDF, KC7EFP und WA7CPA

Letzte QSO's und Besuch bei PJ2T

Am Tag vor unserer Heimreise war ein tauchfreier Tag. Vor dem Abflug mussten wir noch genügend Stickstoff aus unseren Geweben abbauen. Sicherheit geht vor. So fuhr ich nochmals auf den Hügel und führte die letzten QSOs durch. Leider konnte ich einen Transatlantik-QSO nicht mehr herstellen. Dazu hätte ich um Mitternacht hier sein müssen. Das habe ich mir dann doch nicht angetan.

Besonders freute ich mich über die QSOs, mit Funkamateuren, welche ich persönlich kannte. Besonders jenen, welche ich am vergangenen AMSAT-Symposium in Minnesota kennen lernen durfte.

Nach dem letzten Überflug von RS-44 fuhren wir zur Contest-Station von PJ2T. Die Anlage war mir nicht unbekannt. Ein bekannter Tauchplatz liegt quasi vor dem Gebäude der Station und ich habe die Antennen immer vor und nach dem Tauchgang von der Wasseroberfläche begutachtet.

Wir wurden von Robin herzlich begrüsst. Sie stellte uns dem Team vor und wir konnten die gut konzipierte Station bestaunen. Nebst der üblichen Contest-Konfiguration interessierte mich auch, wie die Installationen vor Korrosion durch die salzige Luft geschützt wird. Der Shack wird ständig mit einer Klimaanlage belüftet, welcher mit entsprechenden Filtern ausgestattet ist. Bei den Antennen habe ich festgestellt, dass die Masten dick mit Farbe angestrichen waren. Auf bewegliche Teile versucht man so gut wie möglich zu verzichten. So sucht man Antennenrotoren vergebens. Für jede Himmelsrichtung ist eine eigene Antenne installiert. Dicke Kabelbäume werden in den Shack geführt. Für jedes Band gibt es eine einzelne Station. Ausser wenn die Station ferndedient wird, werden die Antennen über eine geschickte Matrix geschaltet. Leider war der Leiter der Station gerade am Schlafen (es lief gerade der WPX Contest und legte sich wegen einer späteren Schicht zum Schlafen) Bei der Komplexität hätte ich mich sehr dafür interessiert, wie sie die Probleme mit den Groundloops gelöst haben.

Eine kleine Überraschung auf dem Weg zu Flughafen

Christopher vom Don Genaro Appartement fuhr uns nach Willemstad zum Flughafen. Schon vorher war mir die schwarze Antenne auf dem Kotflügel seines Autos aufgefallen. Doch ein Funkgerät konnte ich im Auto nicht ausfindig machen. Ich habe ihn also auf die Antenne angesprochen. Christopher erzählte mir, dass er plant ein CB-Funkgerät ins Auto einzubauen. Schon in Deutschland war er begeisterter CB-Funker. Er trägt sich mit dem Gedanken, in alle seiner Mietautos die CB-Funkgeräte einzubauen, damit sich vor allem die tauchenden Gäste unterwegs koordinieren können. (Taucher haben meist kein Mobiltelefon mit dabei, da diese gerne gestohlen werden). 

So haben Christopher und ich noch einige interessanten Themen austauschen können, was die Fahrzeit zum Flughafen verkürzte.

 

Wieder ist ein schöner Tauchurlaub zu Ende gegangen. Meine Amateurfunkaktivitäten waren dieses Mal jedoch sehr gering, da ich keinen Betrieb über Kurzwelle machte. Trotzdem haben sich einige Funkamateure über ein neues DXCC über Satellit gefreut und ich konnte unerwartet schöne Freundschaften schliessen.

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Kommentare: 4
  • #1

    Christopher (Freitag, 12 Mai 2023 23:48)

    Dem geschulten Auge meiner Gäste entgeht nichts. Die Antenne, eine gewöhnliche AlbrechtT-27 + Kabel sind bereits im Auto verbaut, doch trotzdem stehe ich vor einer schweren Entscheidung. Die neu gekaufte President RICHARD hat alle möglichen Funktionen, doch mein Herz hängt an meiner alten Zodiac M-244.'
    Es bleibt spannend....

  • #2

    Michael, HB9WDF (Sonntag, 14 Mai 2023 01:18)

    Hi Christopher
    Bezüglich Entwicklung der CB-Funk Geräte habe ich den Anschluss verpasst. Da müsste ich mal tiefer recherchieren, was ich jetzt natürlich bezüglich des President RICHARD gerne gemacht habe.
    Das M-244 ist natürlich super robust - aber es ist halt auch schon über 40 Jahre alt. Da drohen die Kondensatoren langsam auszutrocknen. Ich würde es eher zu Hause hegen, pflegen und wertschätzen. Zudem hat das Richard schon deutlich mehr Power als das Zodiac. Und davon brauchst Du auf der Insel mehr als genug.
    Bin sehr gespannt, wie Du Dich entscheiden wirst :-)

  • #3

    Christopher (Samstag, 20 Mai 2023 03:31)

    Asche auf mein Haupt !!!
    Ich war wirklich der Meinung, dass ich die alte Zodiac M-244 wieder zum Leben erwecke, doch nachdem ich die Kondensatoren gewechselt habe und die Potentiometer getauscht habe, komme ich nicht mehr auf eine Sendeleistung, die unter 4 Watt liegt...liegen soll. Deswegen bin ich etwas eingeschränkt und habe mich dafür entschlossen eine Consumer Version von PNI Escort HP 9500 Multistandard zu verbauen. Das Ding braucht fast keinen Platz und das ist immer ein + Punkt in modernen Fahrzeugen, die keinen Extra-Platz für Einbauten des Fahrers anbieten.
    Michael, ich möchte Dich bitten im kommenden Urlaub ein paar Messgeräte in den Koffer zu packen. Du weißt, dass ich 6000m² Platz habe und die höchste Erhebung im Umkreis gehört meiner Frau Elke. Auch ohne meine Hinweise darauf, hast du das im Urlaub bereits erkannt. Auf der prominentesten Erhöhung in der Umgebung, befindet sich ein 6m Kipp Mast für allerhand Versuche. Auf den Entwurf Deiner Antenne - Antennen bin ich gespannt!
    Grüß mir die Dani und packe Deine Messgeräte neben die Tauchsachen....Bis bald.
    Mit besten Grüßen aus Curacao.

  • #4

    Kűre PJ2/HB3YFC (Dienstag, 23 Januar 2024 15:43)

    Hallo von Westpunt,hinter Westpunt gibts einen alten Leuchturm mit guter űbersicht als tip fűr nächstes mal Lg Küre